Das künstliche Hüftgelenk - letzte Chance wenn nichts mehr hilft

Bilder (1)

  • (Copyright: Eraxion)

Alt gegen neu!

Das künstliche Hüftgelenk - letzte Chance wenn nichts mehr hilft

Verschleißerscheinungen sind ganz normal

Das Hüftgelenk unterliegt, wie alle Gelenke des menschlichen Körpers, dem Verschleiß. Meist handelt es sich hierbei um einen natürlichen Alterungsprozess. Aber auch Unfälle, Stoffwechselstörungen und Wachstumserkrankungen können zu vorzeitigen Abnutzungserscheinungen führen. Mediziner bezeichnen die fortschreitende Zerstörung des Gelenkknorpels, des Knochens und der beteiligten Weichteilstrukturen an der Hüfte als Coxarthrose.
Die Folgen für die Betroffenen sind neben schmerzhaften Bewegungsbeeinträchtigungen und Muskelabbau vor allem ein großer Verlust an Lebensqualität. Nicht selten führen die ständigen Schmerzen und die zunehmende Immobilität zu Schwermut.
„Trotzdem sollten der Entscheidung, ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen, in der Regel nichtoperative Behandlungsmaßnahmen oder weniger große Eingriffe vorausgegangen sein“, so Orthopäde Dr. Tobias Schlegel, Chefarzt im zur Contilia Gruppe gehörenden St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr. „Ausnahmen bilden selbstverständlich Notfallsituationen, wie sie zum Beispiel bei Unfällen oder Tumoren vorliegen können.“ Zwar ist die Coxarthrose unheilbar, aber spezielle Übungsprogramme, ausgewogene Ernährung, orthopädische Hilfsmittel, Bestrahlungstherapien sowie verschiedene Medikamente können im Einzelfall erfolgreiche Anwendung finden. Auch wenn diese alternativen Behandlungen zum künstlichen Hüftgelenk irgendwann an ihre Grenzen stoßen, so gelingt es doch häufig, Schmerzen zu lindern und den Gelenkersatz hinauszuschieben. „Ist aber abzusehen, dass die Beschwerden ohne den Eingriff nicht mehr beherrschbar sind, sollte man ihn möglichst bald in Angriff nehmen“, erläutert Dr. Schlegel. „Ein zu langes Hinauszögern verursacht nämlich sonst oft noch mehr Probleme.“ Künstliche Hüftgelenke können derzeit mehr als 15 bis 20 Jahre funktionsfähig bleiben, danach müssen sie häufig erneuert werden.

Unterschiedliche Verfahren
Inzwischen werden allein in Deutschland pro Jahr über 200.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt und die Tendenz ist steigend. Hinzu kommen über 12.000 Austauschoperationen von bereits eingebauten Endoprothesen. Viele hundert unterschiedliche Prothesenmodelle sind derzeit auf dem Markt. Total-Endoprothesen der Hüfte – kurz TEP genannt – ersetzen den Gelenkkopf und die Gelenkpfanne. Sie werden mit Hilfe von speziellem Knochenzement aber auch unzementiert oder durch kombinierte Verfahren im Knochen verankert. „Die zementfreie Implantation stellt seit langem das Standardverfahren bei jüngeren Patienten dar“, berichtet Dr. Schlegel, „und wird mittlerweile auch vermehrt bei betagten Patienten und sogar bei Osteoporose gewählt.“ Zahlreiche Variationen in Form, Material und Oberflächenbeschichtung sowie neuere knochenerhaltendere Implantate wie Kappen- und Kurzschaftprothesen und verschiedenartige Operationstechniken konkurrieren miteinander. „Einige davon müssen aber ihre Berechtigung erst noch in Langzeitstudien unter Beweis stellen“, so der Mülheimer Orthopäde. „Ein erfahrener Operateur wird immer zusammen mit dem Patienten entscheiden, welches Verfahren das Beste für den individuellen Fall ist. Faktoren wie Alter, Geschlecht, Größe, der gesundheitliche Allgemeinzustand sowie die Knochenqualität des Betroffenen spielen bei der Entscheidung eine Rolle.“

Ergebnis positiv beeinflussen
Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks kann sowohl unter Vollnarkose, als auch mit einer Spinalanästhesie – einem rückenmarksnahen, lokalen Narkoseverfahren – durchgeführt werden. Wie bei jeder Operation muss auch hier mit allgemeinen Risiken und Komplikationen gerechnet werden. Dazu zählen beispielsweise Wundheilungsstörungen, Nervenverletzungen, Thrombosen oder Infektionen. Auch eingriffsspezifische Komplikationen wie das Herausspringen des Hüftgelenkes, Knochenbrüche und Prothesenlockerungen sind möglich.
„Zu solchen Ereignissen kommt es aber nur äußerst selten“, beruhigt Dr. Schlegel. „Üblicherweise beginnt der Patient bereits am zweiten Tag nach der Operation, unter der Anleitung eines Krankengymnasten, mit den ersten Gehübungen. Nach Abheilung der Wunde – etwa dem zwölften Tag ab Einbau der Hüft-TEP – wird der Patient aus dem Akutkrankenhaus entlassen und den stationären oder ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen zugeführt.“ Die Anschlussheilbehandlungen sind heute weitestgehend standardisiert und auch die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Vorgehensweisen der fachärztlichen Weiterbetreuung sind überwiegend festgelegt. Dr. Schlegel: „Jeder Patient hat darüber hinaus aber die Möglichkeit, das Operationsergebnis durch sein Verhalten positiv zu beeinflussen. Eine Gewichtsanpassung und die Wahl der geeigneten sportlichen Betätigung zählen ebenso dazu, wie regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Facharzt.“ Quelle: EKE