Jährliche Darmspiegelung verbessert Heilungschancen

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Verbund veröffentlicht Langzeitstudie

Jährliche Darmspiegelung verbessert Heilungschancen

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland

Darmkrebs ist mit 73.000 Neuerkrankungen die zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Etwa drei Prozent dieser bösartigen Darmtumoren sind erblich bedingt.
Ein bundesweiter Forschungsverbund unter Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum konnte in einer Langzeitstudie zeigen, dass durch ein engmaschiges Früherkennungsprogramm eine wesentlich bessere Prognose erreicht werden kann. Die Spezialisten empfehlen Hochrisiko-Patienten, jährlich Darmspiegelungen vornehmen zu lassen. Die Ergebnisse der Langzeitstudie sind in der Zeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlicht.

Reparaturgene sind defekt
Erblicher Darmkrebs - erbliches kolorektales Karzinom ohne Polyposis (HNPCC) oder auch Lynch-Syndrom genannt - ist auf Mutationen im Erbgut zurückzuführen, die an die Nachkommen weitergegeben werden können. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erkranken die Träger dieser fehlerhaften Gene im Laufe ihres Lebens an Darmkrebs - häufig noch vor dem 50. Lebensjahr. Auch das Risiko für verschiedene andere Tumoren ist erhöht. Bislang sind vier so genannte Reparaturgene bekannt, deren Veränderungen für die Entstehung von HNPCC verantwortlich sind.
Diese Gene haben die Aufgabe, Fehler in der Erbsubstanz zu erkennen und zu korrigieren. Funktioniert diese Reparatur nicht, können Tumore entstehen.

Engmaschige Überwachung rettet Leben
Die Forscher im Verbund untersuchten mehr als 1.100 Hochrisiko-Patienten für HNPCC. Über einen Zeitraum von durchschnittlich drei Jahren wurde der Darm aller Studienteilnehmer jährlich gespiegelt. Bei der Darmspiegelung entfernen die Ärzte gutartige Vorstufen von Darmkrebs. Auch die von Krebs bedrohten anderen Organe werden überwacht.
Der einjährige Abstand zwischen den Untersuchungen erwies sich gegenüber längeren Untersuchungs-Intervallen als eindeutig überlegen. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir bei Patienten mit einem hohen individuellen Risiko durch engmaschige Früherkennungsuntersuchungen Tumoren in einem frühen und damit heilbaren Stadium entdecken können. Durch einjährige Intervalle bei diesen Hochrisiko-Patienten erreichen wir eine Stadienverteilung, die dem der Allgemeinbevölkerung mit der Vorsorgekoloskopie in 10-jährigen Abständen gleicht. Es ist uns somit möglich, durch eine engmaschige Überwachung Leben zu retten“, sagt Prof. Dr. Wolff Schmiegel, stellvertretender Sprecher des Verbundes und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus Bochum und der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum.

Zehn Jahre Forschung: Größte Studiengruppe mit erblichem Darmkrebs
Das Zentrum für Familiären Darmkrebs der Ruhr-Universität Bochum - weitere beteiligte RUB-Institutionen sind die Abteilung für Molekulare Humangenetik (Prof. Dr. Jörg T. Epplen) und das Institut für Pathologie (Prof. Dr. Andrea Tannapfel) - wird seit 1999 durch die Deutsche Krebshilfe gefördert und ist Standort der Referenzgastroenterologie des Forschungsverbundes. In diesem Rahmen entstand im Forschungsverbund die weltweit größte und am besten charakterisierte Patientenkohorte mit dem seltenen erblichen Darmkrebs.
Die Teilnehmer werden von einem interdisziplinären Team aus Ärzten und Wissenschaftlern kompetent beraten und betreut. Beteiligt sind neben Bochum fünf weitere Universitäts-Standorte in: Bonn, Dresden, Düsseldorf, Heidelberg und München/Regensburg. Eine Dokumentationszentrale in Leipzig und eine Referenzpathologie in Bonn ergänzen den Verbund.
(idw)