Eine Hochleistungsmaschine zur Degeneration verdammt?

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  • Der menschliche Körper - ein (fast) perfektes Fortbewegungsgefäß für unser Selbst.
  • Der menschliche Körper - ein (fast) perfektes Fortbewegungsgefäß für unser Selbst.
    Der menschliche Körper - ein (fast) perfektes Fortbewegungsgefäß für unser Selbst. (Copyright: Eraxion)

Unser Bewegungsapparat:

Eine Hochleistungsmaschine zur Degeneration verdammt?

Deutschland - ein Land der Bewegungsmuffel

Muskeln, Sehnen, Knochen und Bänder - unser Bewegungsapparat könnte ein perfekter Organismus sein, wenn da nicht unsere Einstellung zu unserem Körper wäre. Leider sehen wir die Möglichkeiten unseres Bewegungsapparates als viel zu selbstverständlich an, um mal darüber nachzudenken, was dieser Organismus täglich leistet.
Muskelabbau, Arthrose, Osteoporose, Bandscheibenvorfälle und und und. Die Liste der Krankheiten die unseren Bewegungsapparat befallen können ist endlos. Und das Schlimmste daran ist, dass wir an vielen von Ihnen auch noch selber Schuld sind. Um an diesem Umstand etwas zu ändern, muss man wissen, wie die einzelnen Teile des Bewegungsapparates funktionieren, welche Stärken und Schwächen sie im Einzelnen haben und wie man aus den einzelnen Organen einen funktionierenden Orgranismus macht.

Allgemein

Hauptaufgabe des Stütz- und Bewegungsapparat ist die Form des Körpers, die Stabilisierung desselben und natürlich die zielgerichtete Bewegung. Das knöchernde Skelett übernimmt die Stütz- und Formfunktion des Körpers. Die Beweglichkeit wird von der Skelettmuskulatur übernommen. Diese ist mit Sehnen als Kraftüberträger auf der einen Seite am Knochen und auf der anderen Seite mit dem Muskel verbunden bzw. verwachsen. Bänder werden gebraucht, um Zugveränderungen der Sehnen vorzunehmen oder stark belastete Gelenke zu festigen und zu sichern.

Skelett/Knochen

Ca. 12 % beträgt der Anteil des Skeletts am Gesamtgewicht des Menschen. Etwas über 200 Knochen (Röhren- und Plattenknochen) bilden den Stützapparat, der dem Körper seine Form gibt und die inneren Organe schützt. Man unterscheidet zwischen cranialem (umfasst nur den Schädel) und postcranialem (unterhalb des Schädels) Teil. Letzteres wird wiederum eingeteilt in das axiale (Wirbelsäule, Kreuzbein, Rippen und Sternum) und appendikuläre (Extremitäten mit Schulter und Beckengürtel) Seklett. Das menschliche Skelett ist erst nach ca. 20 Lebensjahren vollständig entwickelt. Die Gelenke, die die Knochen untereinander verbinden, bestimmen den Bewegungsradius und die Bewegungsrichtung der Knochen. Das Mark im Inneren der Knochen ist eine wichtige Bildungsstätte für die Blutzellen.

Muskeln

Die Muskulatur macht beim Mann ca. 40% und bei der Frau ca. 23 % der Gesamtkörpermasse aus. Die gesamte Muskulatur des Menschen kann man grob in den Herzmuskel (schlägt ständig, eigenes Erregungsleitungssystem), der glatten Muskulatur (wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert - z.B. Darmmuskulatur) und der Skelettmuskulatur gliedern. Hauptsächlich interessiert uns bei dem Bewegungsapparat letztere. Die zum Skelett gehörigen Muskeln sind willkürlich steuerbar (über 600 Muskeln) und gewährleisten die Beweglichkeit. Man nennt sie auch die gestreifte - bzw. quergestreifte Muskulatur. Das hängt mit der regelmäßigen Anordung der Myofibrillen zusammen. Myofibrillen sind feinste Eiweiß-Fäserchen, die etwa zu 80 % die Fasermasse ausmachen. Eine Muskelfaser kann bis zu 0,1mm dick werden und eine Länge von ca. 30 cm haben. Bei Verlust kann kein Ersatz nachwachsen - d.h., dass die Obergrenze der Muskelfasern genetisch bedingt ist. Lediglich die Dicke der einzelnen Fasern kann von jedem Menschen beeinflusst werden. Ein Nervenimpuls löst den mechanischen Vorgang der Muskelkontraktion aus. Eiweißmoleküle (Aktin und Myosin) schieben sich hierbei ineinander. Der häufigste Kontraktionstyp ist der auxotonische (verschiedengespannt). Womit wir bei der funktionellen Einteilung der Skelettmuskulatur wären. Agonisten (Spieler) und Antagonisten (Gegenspieler) bilden den einen Bereich. Hierzu gehören z.B. Bizeps und Trizeps oder die für das Heranziehen und das Abspreizen der Extremitäten benötigten Adduktoren (Anzieher) und Abduktoren (Abzieher). Der andere Bereich umfasst die Synergisten - das Zusammenwirken von unterschiedlichen Muskeln um eine Bewegung auszuführen (z.B. bei Liegestützen die Zusammenarbeit von Trizeps und Brustmuskeln).

Sehnen

Sehnen bestehen aus festem, aber biegsamem kollagenem Bindegewebe. Ihre Fasern liegen parallel zur Zugrichtung. Sehnen sind im Muskel mit den Muskelfasern verbunden und setzen am Knochen an Vorsprüngen oder aufgerauten Bereichen an. Sie dienen dazu, die von den Muskeln produzierte Kraft auf den Knochen zu übertragen. Lange Sehnen werden in Sehnenscheiden geführt. Diese bestehen aus zwei Hautschichten (Röhrenform), in denen sich Flüssigkeit befindet, die die Reibung zwischen den Sehnen und dem umgebenden Gewebe deutlich reduziert. Ein weiterer Schutz für die Sehnen sind die Schleimbeutel. Der Körper baut an besonders gefährdeten Stellen diese zusätzlichen Polster ein. Sie sind mit Flüssigkeit gefüllt und bewirken, dass der Druck der Sehne auf eine größere Fläche gleichmäßig verteilt wird. Um weniger Kraft aufwenden zu müssen, bedient sich unser Körper eines Hebels. Ein kleiner Knochen wächst in die Sehne ein und garantiert den Erfolg. Diese Knochen nennt man Sesambeine - das bekannteste ist die Kniescheibe.

Bänder

Bänder bestehen hautpsächlich aus kollagenen Fasern und teilweise aus elastischem Bindegewebe. Das wohl bekannteste Band befindet sich im Knie - das Kreuzband. Ein Riß desselben hat schon manchem Fußballer eine lange Zwangspause bzw. das Karriereende eingebracht. Eine wichtige Aufgabe der Bänder ist das Stützen und der Schutz der Gelenke. Außerdem helfen sie eine Überdehung von Muskeln oder Sehnen zu vermeiden.

Fazit: Vom Nervenimpuls, der Kontraktion des Muskels, der Kraftübertragung über die Sehne an den Knochen bis zur für andere sichtbaren Aktion vergehen nur Sekundenbruchteile. Eine Hochleistungsmaschine, die geschmiert und geölt werden muss, damit sie perfekt funktioniert. Leider erkennen nur wenige Menschen dieses Wunder, dass wir „unseren Bewegungsapparat“ nennen. Denn wenn die Pflege ausbleibt, ist dieses eigentlich perfekte Gebilde anfällig für Krankheiten bis hin zur Degeneration.
Damit es nicht soweit kommt, müssen wir uns bewusst werden, dass unser Körper - wie auch unser Auto - ein Fortbewegungsmittel für unser Selbst ist und er nur funktionieren kann, wenn wir auf ihn achten und ihn hegen und pflegen. Wenn wir es auch noch schaffen, dies unseren Kindern zu vermitteln, könnten wir verhindern, das sich Deutschland immer weiter zu einem Land der Bewegungsmuffel entwickelt und die Pflegekosten in naher Zukunft in astronomische Höhen steigen. AHB