Milchprodukte können nicht viele Menschen vertragen

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Laktoseintoleranz:

Milchprodukte können nicht viele Menschen vertragen

75 % der Weltbevölkerung können keinen Milchzucker verdauen

Fängt Ihr Magen nach der Aufnahme von Milchprodukten schon mal an zu rumoren oder wird Ihnen übel und Sie bekommen danach Durchfall? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie zu den ca. 15 % der deutschen Bevölkerung gehören, die an einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) leiden. Diese entsteht als Folge von fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase, das bei uns in Europa normalerweise den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker (Laktose) verdaut. Aber auch wenn Sie keine spürbaren Symptome nach dem Verzehr von Milchprodukten empfinden, kann es sein, dass Ihre Laktaseaktivität nicht stimmt. Man spricht dann von einer Lactosemalabsorption.

Was allerdings die wenigsten wissen, ist, dass Laktoseintoleranz für etwa 75 % der erwachsenen Weltbevölkerung der Normalfall ist. Neugeborene Säugetiere - und somit auch der Mensch - bilden während ihrer Stillzeit Laktase. Während der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch, sinkt die Laktaseaktivität auf etwa 5-10 %. In Gegenden, die seit langer Zeit Milchwirtschaft betreiben (z.B. Westeuropa, Nordamerika, Australien), hat sich eine Mutation durchgesetzt, die dazu führt, dass der Körper auch noch im Erwachsenenalter genügend Laktase produziert (Laktasepersistenz). Der Mainzer Hochschullehrer für molekulare Anthropologie, Joachim Burger, hat 2007 eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass die Laktoseintoleranz erwachsener Menschen eine stammesgeschichtlich ursprüngliche Eigenschaft des Menschen ist. Das bedeutet, dass die Fähigkeit noch als Erwachsener problemlos Laktose zu verdauen eine recht junge genetische Mutation darstellt. Dies belegen Untersuchungen und Analysen von Skeletten aus der Jung- und Mittelsteinzeit (7800 bis 7200 Jahre alt). Hier konnte man eindeutig nachweisen, dass keines dieser Individuen in der Lage war Milchzucker zu verdauen. Die Analyse eines zur Merowinger-Zeit (ca. 1500 Jahre) angesiedelten Skelettfundes ergab, dass diese Person sehr wohl Milchzucker verdauen konnte. Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang auch gehört, dass die berühmte Gletschermumie Ötzi ebenfalls laktoseintolerant war. AHB

Symptome
Da Milchzucker bei Intoleranz nicht verdaut werden kann, wird er erst im Dickdarm durch Darmbakterien vergoren. Es entstehen Säuren und Gase, die zu Blähungen und Durchfall führen können. Weitere Beschwerden können aber auch Verstopfung, Übelkeit, Völlegefühl, chronische Müdigkeit, Glieder- und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen sein.

Schweregrade
Die Probleme, die eine Milchzuckerunverträglichkeit verursacht, hängen vom Schweregrad der Erkrankung ab. Ist dieser „leicht“, wie in den meisten Fällen, wird Laktase in unzureichender Mange oder nicht wirksam genug hergestellt. Der Körper verträgt aber trotzdem 8 bis 10 g Milchzucker pro Tag ohne Probleme. Bei einem mittleren Schweregrad liegt die tägliche Höchstdosis bei 1 Gramm Laktose. Die Schwere Form sagt aus, dass die Laktase gar nicht gebildet wird und verträgt daher absolut keine Milchprodukte.

Diagnose
Zur Diagnose wird ein oraler Milchzuckerbelastungstest mit 50g Milchzucker verwendet. Mit zwei Methoden kann nachgewiesen werden, ob die Laktose im Dünndarm nicht ausreichend resorbiert wird: Zum einen mit dem Anstieg des Wasserstoff-Gehaltes in der Atemluft (dieser wird von den Bakterien im Dickdarm freigesetzt, die die nicht resorbierte Laktose verstoffwechseln), zum anderen mit einem fehlenden oder zu geringen Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Ernährung
Betroffenen können, je nach Schweregrad, durch eine laktosearme oder laktosefreie Ernährung behandelt werden. Nahrungsmittel mit geringen Mengen an Laktose oder in kleinen Mengen bereiten den meisten Betroffenen keine Probleme. Im Schnitt nehmen wir täglich etwa 20 bis 30 Gramm Milchzucker zu uns – vor allem durch Milch und Milcherzeugnisse. Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Kefir enthalten zwar große Laktosemengen, werden aber häufig dennoch gut vertragen. Das liegt an den Milchsäurebakterien, die Laktose im Darm in großen Mengen abbauen. Einige Käsesorten sind ebenfalls gut verträglich, da bei ihrer Herstellung die Molke und damit ein Großteil der Laktose entfernt wird. Sauermilch- und Käseprodukte sind also bei leichter Laktoseintoleranz wichtig für die Ernährung: Sie decken einen Teil des Kalziumbedarfs und sorgen für eine gute Darmflora. Quelle: www.medicalpress.de / Fotos: Leslie Banks/Serhiy Zavalnyuk