Ballaststoffreiche Kost gegen Asthma

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  • (Copyright: Brian Chase )

Gesundheitsfördernde Essgewohnheiten:

Ballaststoffreiche Kost gegen Asthma

Schützende Wirkung nachgewiesen

Essen Sie sich gesund – das ist ein beliebter Slogan, wenn es um gesundheitsfördernde Essgewohnheiten geht. Tatsächlich hat die Ernährung auf viele Erkrankungen einen Einfluss. Experimente mit Mäusen zeigen nun, dass sie möglicherweise auch bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege eine größere Rolle spielen könnte, als bisher angenommen. Eine ballaststoffreiche Kost wirkte sich bei den Tieren über Umwege auch auf die Atemwege aus, wodurch allergische Reaktionen abgeschwächt wurden.

Weniger Ballaststoffe – mehr Asthma?
In den vergangenen 50 Jahren erkrankten in den westlichen Ländern immer mehr Menschen an allergischem Asthma. Im selben Zeitraum hat sich auch die Kost geändert: Der Gehalt an Ballaststoffen aus Früchten, Gemüse und Vollkornprodukten hat abgenommen, der von Kohlenhydraten und Fetten zugenommen. Das Team um Benjamin Marsland von der Universität Lausanne vermutete zwischen beiden Entwicklungen einen ursächlichen Zusammenhang und ging der Frage in einer Reihe von Experimenten nach. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Weitreichender Einfluss bis zur Lunge
Zunächst konnten die Forscher zeigen, dass ballaststoffarm ernährte Mäuse auf Hausstauballergene mit einer stärkeren entzündlichen Reaktion der Atemwege reagierten, als solche Tiere, die normal ernährt wurden. Umgekehrt erzielte eine ballaststoffreiche Ernährung eine schützende Wirkung.

Auf bestimmte Ballaststoffe kommt es an
Zu der schützenden Wirkung kam es allerdings nur, wenn es sich um sogenannte fermentierbare Ballaststoffe handelte, die von den Darmbakterien aufgeschlossen werden können. Dies ist beispielsweise bei Pektin der Fall, das im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren auf- gespalten wird. Eine pektinhaltige Kost führte bei den Versuchstieren schon nach kurzer Zeit zu einer Änderung der Darmflora: Bakterien, die Pektin enzymatisch aufschließen können, nahmen zu.

Fettsäuren sind die Schlüsselmoleküle
Die Forscher um Marsland konnten in einem nächsten Schritt zeigen, dass mit der pektinreichen Kost die Konzentration von kurzkettigen Fettsäuren sowohl im Stuhl als auch im Blut der Mäuse zunahm.
Nun ist bereits bekannt, dass kurzkettige Fettsäuren einen Einfluss auf Zellen des Immunsystems und damit auch auf Allergien haben. Die Wissenschaftler reicherten das Trinkwasser der Tiere mit kurzkettigen Fettsäuren an – die allergische Reaktion der Atemwege auf Hausstaubmilben reduzierte sich. In weiteren Experimenten konnte schlüssig dargelegt werden, wie diese Wirkungen auf der immunologischen Ebene zustande kommen.

 

Ballaststoffreiche Kost als Therapie?
Diese Forschungsarbeit ist deshalb so spannend, weil die Wissenschaftler die gesamte Kette der komplexen Zusammenhänge im Blick hatten: angefangen von der Ernährungsentwicklung über die Darmflora und detaillierte immunologische Reaktionen bis hin zu den körperlichen Symptomen der Mäuse. Außerdem geht Studienleiter Marsland davon aus, dass sich die untersuchten Aspekte des Immunsystems bei Maus und Mensch kaum unterscheiden. Wenn dies der Fall ist, könnten sich aus der Arbeit ganz neue Therapiemöglichkeiten ergeben.

Eines aber steht jetzt schon fest: Zu den vielen anderen Gründen, mehr Früchte und Gemüse zu essen, ist nun ein neues Argument hinzugekommen!

Ballaststoffe – was, wie viel, wo?
- Ballaststoffe (auch Pflanzenfasern) sind Gerüst- und Stützsubstanzen der Pflanzen. Tierische Produkte sind praktisch frei von Ballaststoffen.

- Man unterscheidet zwischen löslichen (z. B. Pektin) und unlöslichen Ballaststoffen (z. B. Zellulose)

- Es wird empfohlen, tgl. mind. 30 Gramm Ballaststoffe zu sich zu nehmen, am besten durch Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Nüsse.

- Eine Studie ergab, dass 68 % der Männer und 75 % der Frauen deutlich weniger Ballaststoffe zu sich nehmen, als die empfohlenen 30 g.

- Besonders pektinreich sind Früchte wie Äpfel, Quitten, Aprikosen, Kiwis und Orangen sowie Möhren.

Tipp:
Wer den Ballaststoffgehalt seiner Nahrung steigern möchte, sollte dies langsam tun. Denn eine Erhöhung der Ballaststoffzufuhr kann zu Blähungen führen, und damit zu Druck- und Völlegefühl oder Bauchschmerzen. Bei einer langsamen Steigerung findet eine Anpassung statt, und die Beschwerden verschwinden. Wichtig ist außerdem, gleichzeitig mehr zu trinken, damit die Ballaststoffe im Darm quellen können.