Handekzeme mit gravierenden Folgen

Bilder (1)

  • (Copyright: jupiterimages)

Empfehlungen für Patienten

Handekzeme mit gravierenden Folgen

Nicht zu spät zum Arzt

Die Rolle einer intakten Haut für Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Integration wird oft unterschätzt. Das gilt vor allem für Handekzeme. Patienten kommen mitunter erst nach Jahren, wenn Beruf- und Funktionsfähigkeit schwer eingeschränkt sind.

Die Hände sind ein wichtiges Kommunikations- und Funktionsorgan. Handekzeme behindern über alle Einschränkungen im Arbeits- und Alltagsleben hinaus auch die sozialen Interaktionen mit erheblichen Konsequenzen: ökonomische Ein-bußen, Arbeitsplatzverlust, schwerwiegende psychische Belastungen, sozialer Rückzug, Phobien, Ängste und sinkendes Selbstbewusstsein. Wie wichtig die Funktion der Hände ist und was ein Funktionsausfall bedeutet, wird den meisten
Menschen erst bewusst, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. Viele Patienten mit Handekzem stellen sich erst nach vielen Jahren und mit erheblicher Chronifizierung beim Arzt vor. Sinnvoll wäre es, zu einem deutlich früheren Zeitpunkt eingreifen zu können, um die Entstehung von schweren Handekzemen und deren gravierenden Folgen zu verhindern.


Beruflich bedingte Handekzeme sind die häufigsten Berufskrankheiten überhaupt

Der Begriff „Handekzem“ ist topologisch und nicht ätiologisch definiert, sagt also nichts über die Ursache. Wenn nicht konstitutionell oder idiopathisch bedingt, werden Handekzeme durch Kontaktnoxen und Kontaktallergene ausgelöst. Das Handekzem ist definiert alt akutes oder chronisches, atopisches, kontaktallergisches, irritatives, dyshidrotisches oder hyperkeratotischrhagadiformes Kontaktekzem.


Ekzemformen

Triggerfaktoren sind hier wie auch beim irritativen Handekzem Feuchtarbeit und regelmäßiger Kontakt zu hautirritierenden Substanzen wie Wasser, Lösungs- und Reinigungsmittel. Es zeigen sich verschiedene Hautbilder von trocken-schuppend und lichenifiziert bis hin zu dyshidrotisch und nässend. Das kontaktallergische Handekzem stellt eine Typ-IV-Allergie (Spättyp-Allergie) dar und wird durch direktes Einwirken eines Allergens ausgelöst.

Man unterscheidet zwischen akutem und chronischem allergischem Kontaktekzem

Die akute Form entsteht bei kurzer Einwirkdauer, aber intensivem Allergenkontakt und hohem Sensibilisierungsgrad. Meist treten ein unscharf begrenztes, ausgeprägtes Erythem, Papeln, Ödeme und starker Juckreiz auf.

Das chronische allergische Kontaktekzem entsteht bei langer Einwirkdauer, geringer Allergenmenge und niedrigem Sensibilisierungsgrad. Besonders betroffen sind die Fingerstreckseiten und die Handrücken. Das irritative (kumulativ-subtoxische) Handekzem ist ein exogentoxisch ausgelöstes, akut oder chronisch verlaufendes Kontaktekzem, das genau auf den Expositionsort begrenzt bleibt.

Auslöser können eine akute toxische Hautschädigung durch starke ätzende Chemikalien oder kumulativ-subtoxische Hautschädigungen bei Feuchtarbeiten oder Kontakt zu hautirritierenden Substanzen wie Wasser, Lösungs- und Reinigungsmittel, Säuren, Laugen oder Schmieröle sein. Vor allem die Fingerzwischenräume, Fingerrücken, Handrücken und Unterarme sind betroffen. Im Gegensatz zum allergischen Kontaktekzem kommen keine Streuphänomene vor.


Risikogruppen

Handekzeme sind häufig. Schätzungen für berufliche exponierte Personen schwanken zwischen sechs und elf Prozent, Frauen sind häufiger
betroffen als Männer. Während Ausbildungsphasen und Beginn des Berufslebens ist eine starke Zunahme der Ekzemprävalenzen bei entsprechender Berufstätigkeit zu beobachten. Zu den besonders gefährdeten Berufsgruppen gehören unter anderem Friseure, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Köche, Bäcker, Floristen, Reinigungskräfte, Zahntechniker, Maschinisten, Bauarbeiter, Arbeiter in der Metall- und Auto-
industrie.

Diese Berufe zählen aufgrund der intensiven Feuchtbelastung, dem Zwang zum Tragen von Schutzhandschuhen, Kontakt zu irritativen oder allergisch wirkenden Substanzen oder der starken mechanischen Belastung zu den hautgefährdenden.


Handekzem: Empfehlungen für Patienten

  • zum Händewaschen nur lauwarmes Wasser und milde parfümfreie Flüssigsyndets verwenden;
  • sorgfältig mit klarem Wasser nachspülen und gut abtrocknen, insbesondere die Fingerzwischenräume;
  • zur Handreinigung, auch bei stärkerer Verschmutzung, möglichst keine Handwaschpasten oder Bürsten benutzen;
  • nach jedem Händewaschen geeignete Hautpflege durchführen, Creme dünn auftragen und gut einmassieren, dabei am Handrücken beginnen und Fingerzwischenräume nicht vergessen;
  • bei Wasserkontakt oder Hausarbeit keine Ringe tragen, die Innenseite der Ringe häufiger mit warmem Wasser und Bürste reinigen;
  • Wäsche möglichst nur in der Waschmaschine waschen;
  • direkten Hautkontakt mit Waschmitteln (flüssig oder fest) und starken Reinigungsmitteln vermeiden;
  • Geschirr nach Möglichkeit unter laufendem warmen Wasser und mit geringen Mengen eines milden Geschirrspülmittels spülen, am besten ist aber der Gebrauch einer Spülmaschine;
  • direkten Kontakt mit organischen Lösungsmitteln, Fleckenentfernern, Alkohol, Benzin, Terpentin, Spiritus, Petroleum und Verdünnern meiden;
  • auch Polituren (Metall-, Boden-, Auto-, Möbelpolitur, Bohnerwachs, Schuhcreme, Fensterputzmittel) nicht auf die Haut bringen;
  • Zitrusfrüchte, Tomaten und rohe Kartoffeln nicht mit bloßen Händen pressen oder schälen;
  • in der akuten Phase des Handekzems bei der Haarwäsche Plastikhandschuhe tragen oder sich die Haare waschen lassen; gleiches gilt für die Anwendung von Haaarlotionen und- cremes sowie Färbe- oder Bleichmitteln;
  • vor Kälte durch das Tragen von Handschuhen schützen;
  • wenn sich direkter Kontakt mit hautreizenden Stoffen oder längerer Wasserkontakt nicht vermeiden lässt, Handschuhe aus Plastik oder PVC – nicht aus Gummi – tragen! Falls die Hände in den Handschuhen feucht werden, diese ausziehen, auf links wenden, mit klarem Wasser abspülen und an der Luft trocknen lassen;
  • Alle genannten Punkte mindestens für ein halbes Jahr nach Heilung des Ekzems beachten, da die Haut in der Heilungsphase eine geringere Widerstandskraft hat.

Quelle: medicalpress