Der Schmerz, der immer wieder kommt

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Rückenschmerzen

Der Schmerz, der immer wieder kommt

Durchbrechen Sie den Teufelskreis

Wer kennt das nicht: eine falsche Bewegung und von einem Moment auf den anderen geht gar nichts mehr: „Die Hexe hat getroffen.“ Im Gegensatz zu den Rückenschmerzen, die über Jahre hinweg immer mal wieder auftreten, ist der Hexenschuss eine gezielte und heftige Attacke, die meist in den Bereichen auftritt, wo Verschleißerscheinungen die Muskulatur und die Bandscheiben schon stark geschwächt bzw. abgenutzt haben.

Verkümmert die Muskulatur, steht dem „Teufelskreis Rückenschmerz“ nichts mehr im Wege

Bei jedem Menschen kommt es zu einem natürlichen Abnutzungsprozeß der Wirbelsäule, der individuell aber unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Von diesen Verschleißerscheinungen sind besonders die Bandscheiben betroffen, die jeweils zwischen zwei Wirbelkörpern liegen und die bei jeder Bewegung auftretenden Stoßbelastungen abpuffern müssen. Die Verschleißerscheinungen haben somit auch viel mit der Qualität der Muskulatur zu tun. Da diese wie eine Rüstung fungiert, die jede Stoßbelastung abschwächt, ist es natürlich verständlich, dass je stärker die Muskulatur ist, Bandscheiben und Wirbelkörper umso mehr geschützt werden.
Verkümmert die Muskulatur allerdings im Laufe der Zeit, beschleunigt dies den Verschleiß. Die Knorpelscheiben verlieren an Elastizität und werden flacher. Dann nimmt auch die Stabilität des sonst festen Gefüges der Wirbelsäule ab und die Wirbelsegmente werden beweglicher. Es kann zu einer leichten Vorwölbung der Bandscheibe kommen, die dann auf schmerzempfindliche Strukturen drücken kann. Durch den Elastizitätsverlust der Bandscheibe wird die Kraft von einem Wirbel zum anderen nicht mehr über diese Knorpelscheibe übertragen, sondern über die kleinen Wirbelgelenke. Diese sind jetzt besonderen Belastungen ausgesetzt und verschleißen schneller. Zunächst werden Gelenkkapsel und Knorpelüberzug dieser kleinen Gelenke gereizt und abgenutzt.
Da sie viele schmerzempfindliche Nervenrezeptoren haben, machen sich diese bei Überlastung bemerkbar. Der ausgelöste Schmerz führt über Reflexe zu einer Anspannung der zugehörigen Rückenmuskulatur, um eine Schonhaltung einzunehmen.
Der Schmerz ist für den Betroffenen in der Tiefe der Lendenregion zu spüren. Schmerzbedingt ist die Beweglichkeit in diesem Wirbelsegment dann aufgehoben, genau wie die übliche S-förmige Biegung der Wirbelsäule mit nach innen gewölbter Lendenkrümmung. Die typische Haltung eines an Hexenschuß leidenden Menschen kennt jeder von uns: Er geht nach vorn gebeugt und zum Teil auch etwas zur Seite geneigt. Die Muskelverspannungen werden stärker, die Fehlhaltung und falsche Belastung für den Wirbelsäulenabschnitt werden größer und der Schmerz nimmt zu - der Teufelskreis schließt sich.
Zu den Fehlhaltungen sei noch gesagt, dass der Körper diese automatisch einnimmt, wenn er versucht Schmerzen zu vermeiden. Durch diese Fehlhaltungen baut der Körper auf der einen Seite Muskulatur auf, weil er dort eine Partie über Gebühr beansprucht, während er die schmerzende Seite entlastet und somit dort mit der Zeit Muskulatur abgebaut wird. Dies ist ein schleichender Prozess, den wir kaum wahrnehmen. Es entstehen Dysbalancen. 
Treten Schmerzen auf, die ins Bein ausstrahlen oder kommt es zu Rückenschmerzen mit Kribbelempfindungen oder sogar Lähmungen, so handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall oder andere Reizungszustände von Nervenwurzeln der Zwischenwirbelräume. Diese Symptome haben mit dem eigentlichen Hexenschuß nichts zu tun, werden aber oft mit ihm in Verbindung gebracht.

Ischiasnerv - wenn der Schmerz bis in die Beine reicht

Ähnliche Symptome zeigt die im Volksmund als „Ischias“ bezeichnete Erkrankung des Ischiasnervs. Er besteht aus einer Vereinigung von Nervenwurzeln, die in der Höhe des vierten und fünften Lendenwirbels und des ersten Kreuzbeinwirbels aus dem Rückenmark austreten und bis in die Fußspitzen reichen. Bleibt der Schmerz beim Hexenschuß auf den Rücken beschränkt, so strahlt er bei Ischiasproblemen bis tief ins Bein aus. Dies kann begleitet sein von Kribbeln oder Taubheitsgefühlen, Empfindungsstörungen oder Lähmungserscheinungen.

Wege den Teufelskreis zu durchbrechen

Jedem von uns muss klar sein, dass Rückenschmerzen keine „einmalige Sache“ sind. Das ursächliche Problem fängt schon in unserer Kindheit an - Fernsehen, PC- und Videospiele statt Laufen, Springen und Toben. Kurz wir bewegen uns einfach zu wenig und leben es unseren Kindern sogar noch vor. Eine Langzeitstudie hat gezeigt, dass Erwachsene, die sich in ihrer Kindheit viel bewegt haben und einer Sportart nachgegangen waren, diesen „Bewegungsdrang“ auch ins Erwachsenenalter hinüberretten konnten. Wo hingegen Menschen, die kaum Bewegung in Ihrer Kinderheit hatten, sich heute meistens mit Rückenschmerzen und Übergewicht herumschlagen müssen. Wir können unseren Kindern also schon heute die Freude an der Bewegung vermitteln, damit sie später eine gute Chance haben gesund zu bleiben.
Aber was tun, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“? Wie anfangs schon erwähnt, sind Rückenschmerzen keine „einmalige Sache“. Sie kommen immer wieder. Es bleiben letztendlich nur zwei Möglichkeiten, um ihnen zu begegnen.
Entweder ein langer schmerzhafter Weg, der im schlimmsten Fall als Pflegefall enden kann oder der ehrliche Wille etwas in seinen Verhaltensmustern, in seinem Leben zu ändern, um nicht nur den Teufelskreis zu durchbrechen, sondern auch dauerhaft schmerzfrei zu bleiben.

Das können Sie tun…

Dass bei einem akuten Rückenschmerz zuerst der Arzt konsultiert werden sollte, müsste eigentlich jedem klar sein. Der sogenannte „Ein-Indianer-kennt-keinen-Schmerz“-Epos ist bei Schmerzen nicht nur nicht angebracht, sondern in vielen Fällen sogar schlicht dumm. Denn Schmerz hat eine ganz wichtige Funktion - er warnt uns, dass etwas mit unserem Körper nicht stimmt. Also sollte jeder, bei dem Schmerzen - vor allem über einen längeren Zeitraum - auftreten, einen Fachmann aufsuchen, um die Ursache herauszufinden. Wenn Ihr Auto komisch klingt, fahren Sie ja auch in die Werkstatt.

Muskelaufbau…

Wie bereits erwähnt, ist eine schwache Muskulatur die Hauptursache von Rückenproblemen. Wer also seine Muskulatur trainiert, verfügt über ein starkes Korsett, das die Bandscheiben und die Wirbelsäule schützt. Der Aufbau der Muskulatur funktioniert am Besten, wenn man sich an ein Fitness-Center wendet. Hier sollte man sein Ziel - einen starken Rücken - klar bei den Trainern definieren. Achten Sie weiterhin auf die Geräte, die Sie vorfinden und ob Sie sich vom Trainer gut beraten fühlen. Um effizient seine Rückenmuskulatur aufzubauen, bedarf es schon sportmedizinischer Geräte. Hier können Sie sicher sein, dass Sie an der Maschine nichts falsch machen können. Gerade für Rückenpatienten ist es wichtig, dass ein Trainer immer präsent ist. Denn die Unsicherheit bei jemandem, der die letzten 20 Jahre keinen Sport betrieben hat, kann schon groß sein. Bewerten Sie auch das Publikum, das sonst trainiert. Wenn Sie der Meinung sind, dass alles passt, starten Sie. Grundsätzlich sei gesagt: Muskelaufbau kann in jedem Alter erfolgen, egal, ob 20 oder 70 Jahre. Bei dem einen geht es halt schneller als bei dem anderen. Und noch ein Tipp: wenn möglich, nehmen Sie Ihren Partner mit. Das hilft Ihnen, bei der Stange zu bleiben.

Beim Arbeitsplatz geht es los…

Obwohl die Insuffizienz der Muskulatur für viele Rückenprobleme verantwortlich ist, spielen aber auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehört z.B. der Arbeitsplatz. Ist dieser nicht ergonomisch eingerichtet, ist eine wichtige Chance vertan, der Entstehung des Schmerzes Einhalt zu gebieten. Denn hier entstehen Fehlhaltungen und Verspannungen nicht weil der Körper Schmerz vermeiden will, sondern weil er z.B. durch eine falsche Sitzposition dazu gezwungen wird. Nur ein Profi sollte einen Arbeitsplatz ergonomisch einrichten. Dann wird man auf einmal feststellen, dass der Arbeitsplatz Spass und nicht krank macht.

Fazit: Wer etwas gegen seine Rückenschmerzen tun will, dem stehen eine Menge Möglichkeiten zur Verfügung. Dabei sollte man immer darauf achten, dass selbst ein wenig Bewegung und muskuläre Belastung im Alltag nur positiv zu werten sind. Laufen Sie lieber mal eine Treppe hoch, statt den Fahrstuhl zu nehmen und lassen Sie ihr Auto in der Garage statt die 800m zum Supermarkt zu fahren. Letztlich hat es jeder selber in der Hand, wie er seinen Körper behandelt und ob er ihn pflegt oder ausplündert. Doch wenn Sie aktiv etwas gegen Ihre Rückenschmerzen unternehmen, indem Sie z.B. Ihre Muskulatur stärken, muss Ihnen bewusst sein, dass dies keine Momentaufnahme sein kann, sondern eine dauerhafte Veränderung für den Rest Ihres Lebens - denn die Unversehrtheit Ihrer Jugend ist vorbei. AHB